KATALIN RESZEGI, Bergnamen in dem mittelalterlichen Ungarn. 2011.

Die Autorin stellt in ihrem Werk die zu den mittelalterlichen Bergnamen knüpfenden Bräuche der Namengebung und des Namengebrauchs vor. Daneben versucht sie auch zu zeigen, welches Nutzen die Untersuchung der Bergnamen für die Namenforschung und ihre Nachbarwissenschaften (in erster Linie für die Geschichtswissenschaft) bringen kann.

Das Buch besteht aus drei größeren Einheiten. In den Unterabschnitten des ersten Teils geht es um die theoretischen Fragen im Zusammenhang mit der Untersuchung der Bergnamen. Die Autorin überblickt zuerst die Unterschiede zwischen den Siedlungsnamentypen, die aus der Hinsicht der Linguistik und Geschichtskunde bedeutend sind. Sie schreibt auch über die Schwierigkeiten, die im Zusammenhang mit der Definierung des Begriffs Bergname auftauchen. Die Frage mit Hilfe der Annäherungsmethode der kognitiven Linguistik untersuchend lässt es seich gut erklären,, dass die von den Namenbenutzern als Berg benannten größeren Erhebungen in der Wirklichkeit sehr wechselvolle Reliefformen sein können. Die Definition Bergname wird deshalb im weitesten Sinne verwendet, sie umfasst alle eigennamenwertigen Benennungen von Sprechern als Berg gemeinten Erhebungen. Es ist nicht leicht während der Zusammenstellung des ungarischen mittelalterlichen Bergnamenbestandes zu bestimmen, aus wie vielen Teilen die Namen in dem lateinischen Text bestehen. Zu der Bestimmung dessen ist es notwendig, neben der Ermittlung der namengebräuchlichen Sitten die Namen als Elemente des Namensystems und als Teile der Urkunden, die ihre Daten enthalten, zu untersuchen. Die späteren Daten der Namen können auch noch helfen. Als Schluss des theoretischen Teils werden die Zusammenhänge zwischen den Bergnamen und anderen Ortsnamensorten zusammengefasst.

Die geographischen Appellative als Teile der Namen — weil sie lokalisierbar und chronologisierbar sind — kann man besonders gut neben der Namenforschung auch in den dialektgeschichtlichen Untersuchungen verwenden. In der zweiten großen Einheit des Werks stellt die Autorin die orographischen Appellative dar, ihre etymologischen, bedeutungsmäßigen, wortgeographischen Bezüge betrachtend, und sie beschäftigt sich auch mit ihrer Belastung als namenbildende Elemente.

In dem dritten, abschließenden Teil des Werks wird die typologische Analyse der mittelalterlichen Bergnamen anhand des semantischen Inhalts und der lexikalisch-morphologischen Struktur der Namen und dann aus entstehungsgeschichtlicher Hinsicht durchgeführt. Die häufigste Struktur ist der Eigenschaften ausdrückende Namensteil + orographisches Appellativ (Kerek-domb ’runder Hügel’). In dem Erstteil der zweiteiligen Namen kommt am meisten entweder ein Ortsname (Dorog-hegy < Dorog Siedlungsname + hegy ’Berg’) oder ein Personenname (Gyula halma < Gyula Personenname + halom ’ Haufen’) vor. Es gibt viele Bergnamen, die aus anderen Sprachen übernommen wurden. Die ungarischen Sprecher haben diese oft in strukturell unveränderter Form verwendet, zum Beispiel: Papaj ist slawischen Ursprungs (<urslawisch *popelъ ’Asche’). Die typologische Analyse der Ortsnamen kann auch aus der Sicht der Bevölkerungsgeschichte nützlich sein. Als Veranschaulichung stellt die Autorin die linguistisch-chronologischen Schichten des mittelalterlichen Bergnamenbestandes in dem Namenbestand von zwei, zueinander naheliegenden nordungarischen Bergen dar.