ISTVÁN HOFFMANN, Der Gründungsbrief von Tihany als Quelle der Geschichte der Ortsnamen. 2010.

Der Gründungsbrief von Tihany ist das älteste Denkmal der ungarischen Sprache. Die Urkunde aus dem Jahr 1055 von Andreas I., die in Originalform auf Lateinisch entstanden ist, enthält 82 ungarische Ausschnitte, ein Teil davon sind Toponyme, ein anderer Teil Appellative, die Ortsnamen bezeichnen, aber es befinden sich in dem Gründungsbrief auch Strukturen aus solchen Elementen. Es steigert die Bedeutung des Gründungsbriefs, dass er nicht nur das älteste Denkmal der ungarischen Sprache, sondern auch der uralischen Sprache ist.

Die Forscher interessieren sich für das Sprachdenkmal seit langer Zeit. Die Urkunde wurde von Géza Bárczi, in einem der bedeutendsten und bis heute gültigen Werke der ungarischen Sprachgeschichteschreibung 1951 verarbeitet (A tihanyi apátság alapítólevele mint nyelvi emlék [Der Stiftungsbrief der Abtei Tihany als Sprachdenkmal]. Budapest, 1951). Die Quelle steht wieder im Mittelpunkt dank des 950. Jahrestages der Urkunde. Die Neubewertung dieses wichtigen Sprachdenkmals ist erforderlich wegen des Wachstums der sprachwissenschaftlich-onomastischen Kenntnisse, der Veränderung der Methoden und des Wachstums der in der Analyse verwendbaren historischen und sprachlichen Quellenmaterialien in den letzten Jahrzehnten.

Der Autor stellt die Forschungsgeschichte der Urkunde in dem Einführungskapitel vor, und nennt die Hauptaspekte seiner Analyse: Dabei erhält die onomastische Annäherung eine bedeutende Rolle. Das Buch analysiert die einzelnen sprachlichen Elemente anstatt der vorher benutzten etymologischen Methoden mit der Methode der Namensrekonstruktion: Neben der Analyse des Ursprungs der Namen strebt der Autor nach der Verfolgung ihrer sprachlichen Geschichte in den späteren Zeiten, deckt die Beziehungen zu den anderen Elementen in den zeitgenössischen Sprachdenkmälern auf, und analysiert die Umstände der Veränderungen. Diese Methode schreibt eine wichtige Rolle der Verbindung der Namen zu den Orten zu: der Autor lokalisiert sie auch auf der Karte beeindruckend. In einem separaten Kapitel geht es um die sprachliche Beziehung der ungarischen Elemente und lateinischer Texte, um die Erscheinung ungarischer Namen auf Latein. Weiters geht es um die ortsnamen-soziologische Situation der ungarischen Diaspora, die auch die Verwendbarkeit der Namen in volksgeschichtlichen Untersuchungen betrifft., bzw. um die sprachsystematische Lehre der fast hundert Ortsnamen, die man aus dem ungarischen Teil der Urkunde extrahieren kann. In dem Band wurde der Text der Urkunde und die Übersetzung von Rudolf Szentgyörgyi mit kritischer Betrachtung veröffentlicht.