Frühes ungarisches Ortsnamenwörterbuch. 1000–1350. 1. Komitat Abaúj and Csongrád. Hrsg.: ISTVÁN HOFFMANN. 2005.

Die ältesten Denkmäler der ungarischen Sprache entstanden nach der ersten Jahrtausendswende. Diese sind aber keine ungarischen Texte, sondern Urkunden bzw. historische Werke, die auf lateinisch geschrieben wurden. In diesen Werken kommen Elemente auch auf ungarisch vor, vor allem Ortsnamen und Personennamen. Diese Dokumente sind prominent wichtige Quelle der ungarischen Sprache und gleichzeitig die ältesten Denkmäler der uralischen Sprachen. Außer der sprachgeschichtlichen und onomastischen Nutzung enthalten sie unentbehrliche, auch für andere geschichtlich interessierte Wissenschaften, Informationen.

Trotz ihrer Wichtigkeit nutzten die ungarische Sprachwissenschaft und die Onomastik ganz wenig aus diesem Quellenmaterial. Dieses reiche sprachliche Material muss in einer entsprechend aufgearbeiteten Form für die Forscher zur Verfügung gestellt werden, um verwendbar zu sein und in den Forschungen nützlich zu werden. Am Anfang des 20. Jahrhunderts erschien der auf die Personennamen bezogene Teil dieses Quellenmaterials in den Werken von Katalin Fehértói unter dem Titel Árpád kori magyar személynévtár [Ungarisches Personennamenlexion in der Arpadenzeit] (Budapest, 2003). Leider gibt es aber keine derartige Verarbeitung von den wichtigsten Ortsnamen, die das Material der Urkunden von sprachgeschichtlichen, onomastischen, geschichtswissenschaftlichen Perspektiven untersuchen würde.

Mit dem Starten der Reihe Frühes ungarisches Ortsnamenwörterbuch, versuchen die Forscher von Debrecen den Mangel zu beheben. Das Wörterbuch möchte die Ortsnamenerwähnungen, die vor 1350 schon existierten, mitteilen. Die Daten von den Ortsnamen sind in den Artikeln aus sprachlicher Hinsicht geordnet, in deren Ausgestaltung die morphologische Perspektive den Vorzug genießt, aber die Orte, Denotate, auf die durch die Erwähnungen Bezug genommen wurde, erscheinen auch abgegrenzt.

Der erste Band des Frühen ungarischen Ortsnamenwörterbuches enthält die Ortsnamendaten von 15 alten Komitaten. Die Fortsetzung wurde von den Autoren als ein jahrzehntelanger Arbeitsprozess geplant. Das Werk erscheint voraussichtlich in fünf Bänden, und das Material ist vor der Erscheinung des Werkes für die interessierten Fachleute online verfügbar.