Die Völkernamen spielen bei der Erschließung der früheren ungarischen Geschichte eine sehr wichtige Rolle. Was das Thema der Niederlassung in dem Karpatenbecken betrifft, blieben zahlreiche Probleme bis heute ungeklärt. Darum lohnt es sich, es ist sogar notwendig, mit der Aufarbeitung der zur Zeit zur Verfügung stehenden Quellen in einer monographischen Arbeit die altungarischen Siedlungsnamen aus dem Karpatenbecken, die aus Völkernamen entstanden sind, zu untersuchen. Das Ziel der Autorin des Bandes ist, die Daten von den Siedlungsnamen, die Völkernamen enthalten, von der frühmöglichsten Zeit, von der Landnahme (895) bis zu dem Jahre 1526 (altungarische Zeit) zusammenzufassen. So ist die systematisierte Sammlung von Völkernamen enthaltenden Siedlungsnamen, die auf dem Gebiet des Karpatenbeckens vorkommen, in Urkundenarchiven, Dokumentenarchiven, Komitatmonographien, Familienurkundenarchiven, historisch-geografischen Werken und in anderen Quellenausgaben zustandegekommen. Hierin wurden 7,619 Namensdaten von 1,352 Namensformen von 943 Siedlungen veröffentlicht.
Bei der Datensammlung gibt es einen wichtigen prinzipiellen Ausgangspunkt: Nur die Völkernamen können als Etnonyme betrachtet werden, die von den ungarischen Sprachbenutzern des untersuchten Zeitalters nach unseren Kenntnissen wirklich für die Bezeichnung von Ethnien gebraucht wurden (avar ’awarisch’, bajor ’bayerisch’, besenyő ’Petschenegen’, bolgár ’bulgarisch’, böszörmény ’Ismailiten’, cigány ’Zigeuner’, cseh ’tschechisch’, görög ’griechisch’, horvát ’kroatisch’, jász ’Jassen’, káliz ’káliz’, kazár ’Chasaren’, komán ’komán’, korontál ’korontál’, kölpény ’kölpény’, kun ’kumanisch’, lengyel ’polnisch’, magyar ’ungarisch’, maróc ~ marót ~ morva ’Mährer’, nándor ’nándor’, német ’deutsch’, oláh ’Walachen’, olasz ’italienisch’, orosz ’russisch’, örmény ’Armenier’, polány ~ polyák ’polány ~ polyák’, rác ’Raizen’, román ’Walachen’, sváb ’schwäbisch’, szász ’sächsisch’, székely ’Sekler’, szerb ’serbisch’, szerecseny ’szerecseny’, tatár ’tatarisch’, tót ’tót’, török ’türkisch’, úz ’Oghusen’, várkony ’várkony’, zsidó ’jüdisch’).
In dem Wörterbuch sind die Angaben, die zu einer Siedlung gehören, sich sogar auf unterschiedliche Formvarianten beziehen, in einem Artikel in buchstabengetreuer Form chronologisch nacheinander zu finden. Die Völkernamen stehen alphabetisch nacheinander. Die Autorin hat bei der Mitteilung der Namen bestimmte namensystematische Aspekte durchgesetzt. Unter den Siedlungsnamen, die zu Etnonymen gehören,,kann man hinsichtlich ihres strukturellen Aufbaus fünf Haupttypen von einander unterscheiden. Die Mitteilungsordnung dieser Typen und der Siedlungsnamen, die unter diese eingestuft werden können, ist die Folgende: 1. Der Völkername kommt in Grundform als Name einer Siedlung vor. 2. Der Völkername kommt in einer suffigierten Form als Name einer Siedlung vor. 3. Der Völkername kommt mit einem geografischen Appellativ, das eine Siedlung bezeichnet, als Name einer Siedlung vor. 4. Der Völkername kommt als Attribut als Name einer Siedlung vor: 4a. Es hat kein Namenspendant, 4b. Es hat ein Pendant mit einem Attribut aus einem Völkernamen, 4c. Es hat ein anderes Pendant mit einem Attribut, das nicht aus einem Völkernamen stammt. 5. Der Völkername steht mit einem geografischen Appellativ, das nicht eine Siedlung bezeichnet, als Name einer Siedlung.
Ein selbstständiger Band enthält die sprachliche, ortsnamentypologische Aufarbeitung des Namensstoffes des Wörterbuches: Etnonimák a régi magyar településnevekben [Etnonyme in den früheren ungarischen Siedlungsnamen] (Anita Rácz, Debrecen, 2016).