Nach namenstheoretischen Argumenten sind die zwei ältesten Eigennamen die Personennamen und die Ortsnamen. Daraus folgt, dass man viel über das System der Eigennamen (über dessen Funktionen und Geschichte) nur dann erfahren kann, wenn man in erster Linie die Charakteristika dieser zwei Eigennamen erschließt. Nicht nur die getrennte Untersuchung dieser Namentypen bietet ein breites Wissen über die Sprache und die Namenssystematik, sondern — weil sie miteinander in mehreren Hinsichten in Verbindung stehen — mit ihrer gemeinsamen Untersuchung kann man ein genaueres Bild über ihre Systeme bekommen.
Die Autorin versuchte, die weitverzweigten Zusammenhänge der zwei uralten Kategorien der Eigennamen (Personennamen und Ortsnamen) in Bezug auf die ungarische Sprache in monographischer Form zu erschließen. Die Ergebnisse dieses Prozesses sind zwei selbstständige Bände, die aber laut der Ansicht der Autorin zueinander in enger Beziehung stehen. In dieser Arbeit stellte die Autorin die Problematik der Personennamengebung und des Personennamengebrauchs nach vielerlei Aspekten dar. Das altungarische Zeitalter dient als zeitlicher Rahmen der Analysen, innerhalb dessen steht aber das frühaltungarische Zeitalter im Mittelpunkt. Um einen weiteren Kontext zu sichern, übertrat die Autorin manchmal diese chronologische Grenze und stellte die Veränderung der Charakteristika des Namenssystems bis heute dar.
Der Band besteht aus zwei größeren Einheiten. In der theoretischen Einleitung stellte die Autorin dar, wie man den sprachlichen und historischen Quellenwert der uns hinterlassenen personenbezeichnenden Konstruktionen in den Quellen bestimmen kann. Danach wurden allgemeine namenstheoretische Fragen behandelt. Die wichtigsten Fragen waren: Über welche systemartigen Charakteristika verfügt der Personenname als Eigenname? Wie beeinflusst die Funktion und die Veränderung dieses Systems seine kulturelle Bestimmtheit? Welche universal-pragmatischen und kognitiven Faktoren der Personennamengebung und des Personennamengebrauchs sind diejenigen, mit denen die Charakteristika von jedem historischen Zeitalter des Namenssystems beschrieben werden können? Letztens wurden die sozioonomastischen Aspekte der Namengebung und des Namengebrauchs neben den namenstheoretischen Fragen behandelt. Auf Grund allgemeiner namenstheoretischer Aspekte kann man die zeitgenössische sprachliche Wirklichkeit, die sich hinter den personenbezeichnenden Konstruktionen verbirgt und in unseren geschriebenen Quellen zu finden ist, mit größerer Chance erfassen. Dabei muss man einerseits darauf achten, dass die Notare in den Urkunden bei der schriftlichen Fixierung der einzelnen Personennamentypen verschiedene lateinische Muster verwendeten. Die sprachliche Eigenartigkeit des Urkundenschreibers konnte andererseits auch zu spezifischen schriftsprachlichen Lösungen führen. Die genaue namensgebräuchliche Bewertung der personenbezeichnenden Konstruktionen von den Quellen erfordert deshalb, dass der sprachliche Einfluss des Urkundenschreibers von den anderen Schichten des Namengebrauchs getrennt wird.
Nach der namenstheoretischen Grundlegung beschrieb die Autorin in dem zweiten großen Kapitel das Personennamenssystem des altungarischen Zeitalters aus funktioneller Perspektive. Die funktionelle Sprachauffassung ist nämlich diejenige Ansicht, die für die Namenforschung im Allgemeinen auch als die angemessenste Möglichkeit dient. In der Darstellung der frühaltungarischen Personennamengebung und des frühaltungarischen Personennamengebrauchs wurden nicht nur die wichtigsten Merkmale der einzelnen Namentypen (Eigenschaften bezeichnende Namen, referierende Namen, Nexus-Namen und affektive Namen) behandelt, sondern damit parallel auch der historische Prozess, im Laufe dessen die einzelnen Teilsysteme des Personennamenssystems ausgebaut wurden.